Im 86. Jahr der Deportation von mehr als 6.500 Jüdinnen und Juden aus Baden, dem Saargebiet und der Pfalz in das französische Internierungslager Gurs findet am Samstag, den 9. Mai 2026, eine besondere Gedenkveranstaltung in der Gedenkstätte SS-Sonderlager/KZ Hinzert statt. Im Mittelpunkt steht das länderübergreifende Schultheaterprojekt „Wir sind ganz junge Bäumchen“, das von der Jungen Theaterakademie Offenburg in Zusammenarbeit mit Schulen aus Rheinland-Pfalz, dem Saarland, Baden-Württemberg und Frankreich realisiert wird.
Das Theaterstück, benannt nach einem im Lager Gurs entstandenen Lied von Alfred Cahn, setzt sich mit der künstlerischen Schaffenskraft der deportierten Jüdinnen und Juden auseinander. Es zeigt, wie Musik und Kunst selbst unter entwürdigenden Bedingungen Hoffnung und Menschlichkeit bewahren können. An dem Projekt, das auf Initiative des Kuratoriums „Gedenken an die nach Frankreich deportierten Juden aus Baden und der ehemaligen Saarpfalz” entstanden ist und in dem die Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz mitwirkt, beteiligen sich 30 Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Hermeskeil (Rheinland-Pfalz), des Geschwister-Scholl-Gymnasiums Lebach (Saarland), der Jungen Theaterakademie Offenburg (Baden-Württemberg) sowie des Lycée International Saint-Germain-en-Laye/Paris (Frankreich).
Die Veranstaltung beginnt um 14:30 Uhr mit einer ersten Aufführung des Theaterstücks in Kooperation mit dem Gymnasium Hermeskeil und dem Förderverein Gedenkstätte KZ Hinzert e.V. Um 18:00 Uhr folgt eine weitere Aufführung, die von Dr. Sabine Arend (Gedenkstätte Hinzert) und Dr. Sabine Graf (Landeszentrale für politische Bildung des Saarlandes) eingeführt wird. Im Anschluss findet ein Podiumsgespräch mit den beteiligten Schülerinnen und Schülern statt, moderiert von Tibor Linke (Kultusministerium Baden-Württemberg).
Dr. Sabine Arend von der Gedenkstätte Hinzert betont: „Gerade die Perspektive junger Menschen eröffnet neue Zugänge zur Geschichte. Ihr Engagement im Rahmen dieses Projekts zeigt, wie über Grenzen hinweg gemeinsam Erinnerung lebendig gehalten und Verantwortung für die Zukunft übernommen wird.“
Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei, Spenden sind willkommen. Um Anmeldung wird gebeten unter info@gedenkstaette-hinzert.lpb.rlp.de.
Hintergrund: Am 22. und 23. Oktober 1940 wurden mehr als 6.500 Jüdinnen und Juden aus Baden, dem Saargebiet und der Pfalz in das Lager Gurs deportiert. Das Schultheaterprojekt, das anlässlich des 85. Jahrestages der Deportation 2025 erarbeitet wurde, erinnert an ihr Schicksal und setzt ein Zeichen für Erinnerungskultur und Verständigung über Grenzen hinweg.