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Land und Leute: Susanne Faschon

Susanne Faschon wurde mit sinnlichen und gefühlvollen Mundartgedichten bekannt. Ihre „Pälzer Sprich zum Sunndag" in der Sonntagsbeilage der Rheinpfalz sowie ihre zahlreichen Erzählungen und Hörspiele brachten ihr Bekanntheit und Auszeichnungen ein.

Bilder: © Nachlass Susanne Faschon

Bilder: © Nachlass Susanne Faschon

Susanne Margarete Reuter wurde am 3. Mai 1925 in Kaiserslautern geboren. Der Vater, Finanzbeamter, war früh NSDAP-Parteimitglied und in der SA, die Mutter aber verhinderte Susannes Mitgliedschaft im Bund deutscher Mädel (BDM). 1944 absolvierte Susanne ihr Abitur an der „Höheren Weiblichen Bildungsanstalt" in Kaiserslautern mit der Note Eins. Sie erhielt den Scheffel-Preis für besondere sprachliche Leistungen.

Beim Luftangriff auf Kaiserslautern wurde das Haus der Familie zerstört. Die Befreiung Deutschlands erlebte sie evakuiert im fränkischen Miltenberg. Der Vater saß nach Kriegsende erst einmal in einem französischen Strafgefangenenlager.

Statt wie gewollt Lehrerin zu werden, heiratete sie 1947 den Grabsteinbildhauer Rudolf Faschon. 1948 wurde ihre Tochter Viola geboren. In der schlechten wirtschaftlichen Lage musste sie erst als Stenotypistin, dann ab Ende der 1950er als Chefsekretärin beim Direktor der Pfalzgalerie Kaiserslautern die Familie hauptsächlich ernähren. Nebenher schaffte sie es zumindest nachts zu schreiben.

Gedichte und Mundart

1953 erschien „Das Blumenjahr", ihr erster Gedichtband. Schon drei Jahre später verlieh man ihr den ersten Preis im Bockenheimer Mundartwettbewerb. Dessen Jury gehörte sie von 1960 bis 1995 an. Ab 1958 leitete sie den Ortsring des Literarischen Vereins und organisierte Lesungen.

1959 erschien „Kein Spiel für Träumer“. Zu den beiden Gedichten „Schachvariation" und „Der lange Tag" merkte Philosoph Ernst Bloch an: „Das ist hochbegabt, in nichts dilettantisch, voll Sprach- und kühner Blickkultur."

1960 wurde Susanne Faschon zweite Vorsitzende des rheinland-pfälzischen Schriftstellerverbands, im Vorstand war sie bis 1984 fast durchgehend. 1965 verließ sie Kaiserslautern, wurde 1966 geschieden und wohnte in Mannheim, arbeitete erst bei der Wissenschaftlichen Buchgemeinschaft, dann im Reiß-Museum und in der Wissenschaftlichen Stadtbibliothek.

Mainz, Hochheim und Donnersberg

1968 heiratete sie wieder, ihren früheren Chef bei der Pfalzgalerie Carl Maria Kiesel, der vor den Nationalsozialisten hatte fliehen müssen und über 20 Jahre älter war. Das Paar zog nach Bischofsheim und arbeitet auch künstlerisch zusammen. Beispiel dafür ist „Vogelzug“ mit Gedichten von Susanne Faschon und Bildern von Kiesel. Susanne Faschon arbeitete als Bibliothekarin und Sachbearbeiterin beim Südwestfunk in Mainz bis zum Ruhestand 1984.

Doch bald folgte ein Schicksalsschlag: Kiesel starb 1971. Wie ihre Schwester Ingeborg Michno auf der Homepage der Donnersberger Literaturtage schreibt „verstummt ihr dichterisches Schaffen, bis sie 1973 ihren späteren dritten Mann, Hans Stirn, kennenlernt. Er wird Susannes „Medium", wie sie es nannte, der, selbst in seiner Eigenschaft als Professor für Soziologie und Betriebswirtschaft an der Fachhochschule Wiesbaden, als Autor von wissenschaftlichen Büchern und Artikeln mit seiner heiteren und positiven Lebenseinstellung den Anstoß gibt zu ihrer fruchtbarsten und vielseitigsten Schaffensperiode.“

Die beiden heirateten 1974, wohnten in Hochheim am Main, fanden 1978 ein Ferienhäuschen in Jakobsweiler am Donnersberg. Sie begann wieder zu schreiben, 1979 bis 1986 gehörte sie zu den Herausgebern der Bände 1-3 von „Literatur aus Rheinland-Pfalz“. Ihr Mann war die Hauptfigur ihres Bandes „Traum von Jakobsweiler. Geschichten vom Glück mit Johannes"von 1980. Doch bald danach erkrankte er an Krebs. Susanne Faschon versuchte ihm mit Liebesgedichten Kraft zu geben. 1986 starb Johannes Stirn.

Die hochdeutsche Urfassung ihrer Gedichte für ihren Mann wurde 1994 publiziert. Eine ins Pfälzische übertragene Fassung erschien 1988 mit Zeichnungen von Karl Unverzagt als „Mei Gedicht is mei Wohret". Ein Gedichtband zu einem „tragische[n] Thema, das bislang in Mundartgedichten noch kaum angesprochen war“, wie ihre Schwester es nennt. Sie schrieb weiter, richtete Ausstellungen aus, etwa die Weihnachtsausstellung im Kreishaus Kirchheimbolanden 1987.

Nach der Diagnose Darmkrebs 1993 gelang es Susanne Faschon noch drei Bücher herauszubringen: Den Gedichtband „Sommers Ende", die Mundartgedichte „Altweiwersummer" und „Prinzessin Maultasch", mit elf autobiographischen Erzählungen.

Am 3. Mai 1995 konnte sie noch ihren 70. Geburtstag mit Freunden und Bekannten in Jakobsweiler feiern. Am 25. Oktober 1995 aber erlag sie im Krankenhaus in Wiesbaden ihrem Krebsleiden. Neben ihrem letzten Mann wurde sie in Jakobsweiler bestattet.

Ihre Auszeichnungen

Zu den vielen Auszeichnungen von Susanne Faschon gehörte 1963 der Förderpreis des Kunstpreises Rheinland-Pfalz sowie eine Ehrengabe der Deutschen Schillerstiftung. 1967 erhielt sie ein Reisestipendium des Auswärtigen Amtes, 1978 den Pfalzpreis für Literatur und 1994 den Verdienstorden des Landes Rheinland-Pfalz sowie den Jakob-Böshenz-Preis der Gemeinde Bockenheim an der Weinstraße für ihre Mundart-Arbeiten. Bei den Donnersberger Literaturtagen wird zudem alle zwei Jahre der Susanne-Faschon-Preis vergeben.

Quellen und weitere Infos:

https://www.autorenwelt.de/verzeichnis/foerderungen/susanne-faschon-preis

http://www.dltage.de/sfaschon.htmlhttps://dlverein.de/sffp.html 
Rheinland-Pfälzerinnen. Frauen in Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur in den Anfangsjahren des Landes Rheinland-Pfalz / Hedwig Brüchert (Bearb.). Mainz 2001
https://politische-bildung.rlp.de/fileadmin/files/Blaetter_zum_Land/literaturland.pdf